Wilfried Schmickler

weitere Schmickler Texte:

Spiegel" - Was soll uns dieses Titelbild sagen ?

"Rösler - Dümmer gehts nimmer !"

"Wir wollen nie wieder Papst werden !"

"Hören Sie mal, so geht das nicht..."

"Plötzlich normal - Arsch huh"

"...behandelt wie Sondermüll"

"...antreten zum Krötenschlucken"

"Wer redet schon gerne über das Eingemachte..."

"Völkisches Gedusel und nationalistische Tümelei"

"Düsseldorf ist die Stadt der Sieger"

"...viel Feind - viel Ehr!"

"Aber... sie werden sich alle noch wundern !"

"..ich glaub es einfach nicht !"

"Kackfreche Impertinenz"

"Ja wo kommt der denn her?"

"Mit Benzin oder Nitroverdünnung löschen ?"

"Lassen Sie mich ausreden, ich habe Sie auch ununterbrochen unterbrochen"

"Hat mal jemand ein paar Drogen für mich?"

"Was für ein
Garstiger Grusel"

"Schluss mit Umdenken"

"Gottvater, Gottsohn und Gottschalk"

Angst vor rektaler Verschmutzung

Krankes Volksempfinden

Deutschland – Ein Abwasch

Schland oh Schland

Kommen Sie mir nicht blöde

Wischi oder Waschi ?

Wir bauen das neue Afghanistan!

Ab sofort sind wir alle Griechen

"Kackfreche Impertinenz"

Aufhören Aufhören, Herr Becker, aufhören!

Mensch Becker, es sind nur noch sieben Tage bis Weihnachten endgültig unterm Weihnachtsbaum entschieden wird, da muss doch auch irgendwann mal Schluss sein mit dem Genörgel und Genöhle. Und deshalb möchte ich Ihnen, Herr Becker, hier und heute einmal von ganzem Herzen Danke sagen.

(Jürgen Becker) Was ist denn mit Ihnen? Haben sie zu heiß im Glühwein gebadet?

Nein, ich will ich mich einfach nur bedanken. Bei Ihnen, mein lieber Herr Becker, aber auch bei Ihnen hochverehrte Gäste hier im Saal und nicht zu vergessen bei Ihnen da draußen an den flimmerfreien Flachbildschirmen.

Danke.
Danke.
Danke.

Und damit hier keine Missverständnisse aufkommen:
Nein, ich habe keine Drogen genommen und man hat mir auch keine Beruhigungsmittel in den Spekulatius gemischt, nein, ich habe einfach nur eine Zeitung gelesen, eine süddeutsche. Und da habe ich dann diese Anzeige gesehen. Hier oben dieser selig grinsende Dackel mit Helm und darunter die Schlagzeile:

"So viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor. Danke Deutschland." In Auftrag gegeben und bezahlt hat diese Anzeige übrigens das Ministerium für Wirtschaft und Technologie, an dessen Spitze seit Mai dieses Jahres ein gewisser Philipp Rössler rumkaspert.

Wissen Sie, ich rege mich ja wirklich selten mal so richtig auf, ich bin quasi die Ruhe selbst, aber wenn ich so eine gequirlte Scheiße sehe, so eine dreiste Frechheit, so eine durch und durch verlogene Verblödungspropaganda, und wenn ich dann noch bedenke, dass diese Anzeige ausschließlich von Steuergeldern bezahlt wird, dann würde ich am liebsten zum ganz dicken Presslufthammer greifen und den so lange kreisen lassen, bis der Krankenwagen kommt, um mich einzuliefern.

Was für eine kackfreche Impertinenz: So viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor.

Und noch nie zuvor, konnten so wenige Menschen von den Erträgen dieser Arbeit vernünftig leben.

Es gibt in Deutschland 9,4 Millionen Beschäftigte im sogenannten Niedriglohnbereich, von denen beziehen 40 Prozent ein Einkommen unter der Armutsgrenze.

2,1 Millionen schuften für einen Stundenlohn unter 6 Euro und 12.6 Millionen Menschen gelten als arm.

Noch nie war die Kluft zwischen den besser und den schlechter Verdienenden so groß wie heute, noch nie gab es so viele Menschen die von Altersarmut bedroht sind, noch nie lebten so viele Kinder in Verhältnissen, die einfach nur als erbärmlich bezeichnet werden müssen und aus denen sie alle Wahrscheinlichkeit nach ihr ganzes Leben nicht rauskommen.

Und da kommt dieser Heini von einem Wirtschaftsminister und verpulvert Steuergelder für eine Anzeigenkampagne, in den er einen erzählt vom vollbeschäftigten Pferd.

Ja, da soll er mal in den Supermarkt gehen und das den Leuten erzählen, die sich unter menschenunwürdigen Bedingungen und zu lebensfeindlichen Arbeitszeiten abrackern, um am Ende des Monats von ihrem Arbeitgeber in die hohle Hand gespuckt zu bekommen.

Oder er soll auf die Krankenstationen gehen, in die Notfall-Ambulanzen, in die Pflegeheime, und da kann er sich ja mal bei denen bedanken, die rund um die Uhr unter ungeheurem Druck dafür sorgen, dass dieses Gesundheitssystem nicht komplett kollabiert und deren Löhne so niedrig sind, dass sie hinten und vorne nicht ausreichen, ein sorgenfreies Leben zu finanzieren.

Und denen singt der lustige Philipp mal zum Schichtwechsel, wenn sie aus dem letzten Loch Pfeifen, das uralte liberale Schlaflied von der Leistung, die sich lohnen muss. Es ist ein Rössler entsprungen. Da kommt sicher Freude auf.

Oder er stellt sich einfach nur an die Straße und wartet bis ein Taxifahrer vorbei kommt, oder ein von Subunternehmern ausgebeuteter Paketlieferant oder ein privater Postzusteller. Und dann ruft er denen mal ein fröhliches "Danke Deutschland" entgegen.

Da wird er entweder schallend ausgelacht oder er hat ruckzuck die liberale Leistungsträger-Fresse dick.

Obwohl eigentlich hat er ja Recht, der blitzgescheite Herr Rössler, der Mini Jobber aus dem Wirtschaftsministerium. Wenn man die Leute schon nicht ordentlich bezahlt, dann sollte man sich wenigstens einmal im Jahr bei ihnen dafür bedanken, dass sie trotzdem ihre Arbeit so gut und ordentlich wie möglich machen.

Danke liebe Teilzeitarbeiter, dass ihr die sittenwidrigen Arbeitsverträge unterschreibt, Danke liebe Überstundenklopper, die ihr, wenn es denn sein muss, auch unbezahlte Arbeit leistet, Danke liebe Leiharbeiter, dass ihr Euch klaglos von einem befristeten Arbeitsverhältnis ins nächste vermitteln lasst. Danke Deutschland, dass du diese Arbeitsverhältnisse so akzeptierst wie sie sind, nämlich himmelschreiend ungerecht.

Aber apropos Himmel: jetzt ist ja erst einmal Weihnachten. Und wenn man sich die Zwischenbilanzen des Groß- und Einzelhandels anschaut, dann gibt es anscheinend immer noch genügend Menschen, die so viel Geld auf dem Dispo haben, dass sie dieses Geld mit beiden Händen in die Kassen der Weihnachtsgeschäftemacher schaufeln können.

Denn Weihnachten wird auch dieses Jahr unterm Baum entschieden. Und auch dieses Jahr fällt diese Entscheidung eindeutig zugunsten der Besserverdienenden aus.

Und die anderen?

Die kriegen das, was ihnen die Rösslers dieser Welt zugestehen. Einen feuchten Händedruck und ein zynisches Danke Deutschland.

Und davon können sie sich dann was kaufen.
Sich und ihren Kindern.

Frohes Fest!

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