
weitere Schmickler Texte:
"Aber... sie werden sich alle noch wundern !"
"..ich glaub es einfach nicht !"
"Mit Benzin oder Nitroverdünnung löschen ?"
"Lassen Sie mich ausreden, ich habe Sie auch ununterbrochen unterbrochen"
"Hat mal jemand ein paar Drogen für mich?"
"Was für ein
Garstiger Grusel"
"Gottvater, Gottsohn und Gottschalk"
Angst vor rektaler Verschmutzung
Mitternachtsspitzen März 2012
Aufhören, Herr Becker aufhören. Mensch Becker, jetzt fangen Sie auch noch an mit diesem Gequatsche über das Vertrauen. Ja, was können sich denn die Krankenschwestern, die Feuerwehrleute oder die Polizisten von diesem Vertrauen kaufen?
(Da ruinieren sie ihre Nerven und ihre Gesundheit unter miserablen Arbeitsbedingungen, werden von Schichtdienst, Überstunden und Sondereinsätzen bis weit über die Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit getrieben und haben am Ende des Monats eine Summe auf dem Konto, für die würde ein VW-Vorstandvorsitzender sich nicht mal die Dienstwagentür aufhalten lassen.)
Vertrauen!? Vertrauen ist gut, aber ein paar Euro extra auf dem Giro sind besser.
Das weiß ja selbst der Joachim Gauck. Ohne Zuverdienst kommst du heutzutage ja auch als Bundespräsident nicht über die Runden. Deshalb ist der Wulff ja bekanntlich auch gescheitert. (Weil das mickrige Gehalt eines Bundespräsidenten nicht mal ausreicht, einen halbwegs komfortablen Urlaub mit der Familie zu finanzieren. Und da hatte der Wulff sich in seiner Not eben von solchen Schmierwürsten wie dem Maschmeyer unter die Arme greifen lassen. Und schon war er weg vom Fenster.)
Aber das wird dem Joachim Gauck nicht passieren. Der hat klugerweise vorgesorgt. Zum Beispiel als Autor von staatspolitischen Standartwerken. Kaum war der Mann nominiert, da stand auch schon sein neuestes Buch mit dem Titel „Freiheit“ in allen Buchhandlungen und seitdem natürlich auf Platz eins aller Bestsellerlisten.
Und weil ich ein Herz habe für alle Unterbezahlten und Ausgebeuteten, bin ich natürlich gleich los, um mir das Buch zu kaufen.
Ich rein in die Buchhandlung und sag zu dem Händler: „Geben Sie mir den Gauck!“ Da springt der gleich auf eine Bücherkiste und fängt an zu predigen.
Der war, bevor er auf Buchhändler umgeschult hat, Schauspieler. Und da ist das wohl so eine Redensart: „Neulich habe ich am Stadttheater in Knödelfingen den Macbeth gegeben.“
Ich hab ihn auf jeden Fall in seinem Vortrag unterbrochen, denn erstens reicht mir der leibhaftige Gauck vollkommen, und zweitens wollte ich ja das Buch.
Da gibt mir der Verkäufer dieses Mini-Teil. Ich sag: Ich wollte nicht die Verlags-Ankündigung, sondern ich hätte gerne das ganze Werk im Original.
Und ob sie es glauben oder nicht: das war’s, bzw. das ist es. 62 Seiten, noch nicht einmal ganz bedruckt und zwischendurch immer mal wieder in die Länge zogen mit irgendwelchen graphischen Tricksereien. Der eigentliche Text hätte im Endeffekt auf 40 Seiten gepasst.
40 Seiten für - und jetzt halten sie sich fest: 10 Euro! Da kostet jede einzelne Seite 25 Cent. Zum Beispiel die, wo der Gauck den Text zitiert, den sie damals in der DDR immer im Pfarrhaus gesungen haben, während draußen die Bürgerrechtler Kopf und Kragen riskierten:
Die Gedanken sind frei, wer will sie erraten?
Eine Frage, die sich in Zeiten von Google, Face-book und Amazon eigentlich komplett erledigt hat.
Und dafür 25 Cent. Dafür kriegen sie bei jedem Backwaren-Discounter
zwei kleine Brötchen gebacken.
Aber an den Brötchen haben sie auch nicht solange zu kauen. Denn natürlich ist dieses Büchlein ein Meisterwerk. Ein leidenschaftliches Plädoyer für – Zitat - „die Freiheit und die faszinierenden Möglichkeiten, die sich der Gesellschaft und jedem Einzelnen eröffnen, wenn sie die Freiheit zu nutzen wissen.“
Die Freiheit der Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzenden ihr Gehalt in jeder selbstbestimmten Höhe zu erhöhen.
Die Freiheit der Geringverdiener durch Zweit- und Drittjobs ein Gehalt über der Armutsgrenze zu erzielen.
Die Freiheit der Erdöl-Konzerne, dieses Gehalt spätestens beim nächsten Ferien-Beginn wieder ein zu kassieren.
Die Freiheit der Rentnerinnen und Rentner ihren Ruhestand bis an ihr Lebensende mit der Suche nach Zuverdienst-Möglichkeiten zu bereichern.
Die Freiheit der Finanzjongleure und Börsenzocker ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu spekulieren
Oder um es mit den Worten des Bundespredigers zu sagen: „Die Freiheit ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung und Mitgestaltung.“
Und das ist es doch, worauf die Menschen in diesem Land gewartet haben. Die Langzeitarbeitslosen und Hart IV-Bezieher, die Rentner und Pflegebedürftigen, die Billig-Löhner und Leiharbeiter, die Abgehängten und Aussortierten.
Endlich die Möglichkeit zu bekommen, mit zu gestalten, und am Ende zu erleben, wie das Versprechen des Hans-Joachim Gauck eingelöst wird, das dem Einzelnen wie dieser ganzen Welt gilt
:
„Wir sind nicht zum Scheitern verurteilt!“
Und deshalb sind ja auch die Mitglieder sämtlicher Parteien nach der Gauckschen Antrittsrede auf die Knie gefallen und haben unisono das Loblied auf den Präsidenten der Herzen angestimmt.
Die Grünen, obwohl er mit keinem Wort die bevorstehenden ökologischen Katastrophen erwähnt hat,
die SPD, obwohl nirgends die Rede war von Mindestlohn oder Finanztransaktionssteuer,
die CDU-CSU, obwohl er sich gegen Sanktionen für Integrations-Verweigerer ausgesprochen hat,
die Liberalen, obwohl er einen Sozialstaat forderte, der vorsorgt und ermächtigt,
und selbst die Linken, obwohl für ihn die Geschichte Ostdeutschlands erst mit dem Mauerfall beginnt.
Ja, er hat sie alle überzeugt der Konsens-Präsident, der Freiheits-Prediger, der Demokratie-Lehrer. Aber – wahrlich, wahrlich ich sage Euch - sie werden sich alle noch wundern. Denn das war erst der Anfang.
Der Spiegel nannte ihn auf dem Titelblatt „Den Leviten-Leser“. Und was so ein richtiger Leviten-Leser ist, der liest die Leviten auch bis zum bitteren Ende. Und da heißt es:
„Werdet ihr mir aber nicht gehorchen, so will ich euch heimsuchen mit Schrecken, Schwulst und Fieber, dass eure Angesichte verfallen und der Leib verschmachtet. Ihr sollt umsonst euren Samen säen und eure Feinde sollen ihn fressen.“
Also wenn Sie mich fragen: das sind doch schöne Aussichten!